Ein 11,5 Millionen Jahre alter Baum für das Naturkundemuseum
Im Zuge der
Neuaufstellung des Naturkundemuseums im März 2013 fand ein 7 Jahre andauerndes
Projekt seinen erfolgreichen Abschluss: Die 2006 bei Grabungsarbeiten
gefundene, 11,5 Millionen Jahre alte und 5 m lange Wasserfichte aus der
Tongrube Mataschen ist erstmals in voller Größe zu sehen. Ingomar Fritz, Sammlungskurator
der Abteilung Geowissenschaften, führte gestern Nachmittag die 15 am Projekt
beteiligten Personen durch die Ausstellung im Joanneumsviertel, die sich sichtlich über ein Wiedersehen mit "ihrer Wasserfichte" in der Ausstellung freuten.
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| Das Treffen des Projektteams am 16. Mai 2013 im Naturkundemuseum, Foto: UMJ/N. Lackner |
Die Tongrube Mataschen
Vor ca. 11,5
Millionen Jahren wurde in der Region um Kapfenstein ein Sumpfwald langsam
überflutet und von gewaltigen Schlammmassen bedeckt. Dadurch wurden unzählige
Bäume und die zugehörige Lebewelt – Sumpfschildkröte, Riesensalamander, Biber
und Fische – im Schlamm eingebettet und versteinert.
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Wasserfichte im neu eröffneten Naturkundemuseum, 2013, Foto: UMJ/N. Lackner |
Die Grabungen
Seit 1998
organisiert die Abteilung Geowissenschaften des Universalmuseums Joanneum (vormals
Abteilung Geologie & Paläontologie des Landesmuseums Joanneum) in der
Tongrube Mataschen (Kapfenstein, Oststeiermark) Fossiliengrabungen. Neben zahlreichen
Versteinerungen wurde im Zuge des Tonabbaus auch eine Vielzahl von Bäumen in
der Tongrube Mataschen freigelegt; eine Erhaltung dieser fossilen Zeugen einer
ehemaligen Sumpflandschaft war aber nie gelungen, da die Baumstrünke mit
Durchmessern bis 1,5 m und Höhen von knapp 5 m schwach inkohlt sind und in
kleine Stücke zerbrechen, sobald sie aus dem feuchten Ton freigelegt werden und
zu trocknen beginnen.
Im Jahr 2005 wurden anlässlich einer Fossiliengrabung mit Schülerinnen und Schülern auch Proben von derartigen Hölzern genommen und in bergfeuchtem Zustand an Herrn Dr. Hoffmann im Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven zur Analyse und Begutachtung geschickt. Sein Wissen über und seine Erfahrung mit der Konservierung von wassergesättigten urzeitlichen Hölzern haben in der Folge die entsprechende Rezeptur zur Konservierung des Baumes aus Mataschen erbracht. Dabei handelte es sich um ein Konservierungsmittel der Gruppe Polyethylenglykol (PEG), das für die Konservierung von Hölzern besonders geeignet ist.
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| Fossiliengrabung mit Schülerinnen und Schülern in der Tongrube Mataschen (Kapfenstein, Oststeiermark), 2005, Foto: UMJ |
Diese Rezeptur stellte die Voraussetzung
für ein mehrjähriges Konservierungsverfahren des fossilen Baumes dar. In einem ersten
Gespräch wurde auch die Koordinierung von Bergung, Transport und Lagerung eines Baumes – sobald dieser in passender Größe und geeignetem Erhaltungszustand im
Zuge des Tonabbaus zum Vorschein kam – besprochen. Neben der Firma Lias
Österreich GesmbH sagten auch die Gemeinde Kapfenstein und die Freiwillige
Feuerwehr Mahrensdorf ihre Unterstützung dieser Arbeiten zu. Die Firma Clariant,
Erzeuger von Spezialitätenchemie, war vom Projekt sehr angetan, stellte das
Konservierungsmittel PEG kostenlos zur Verfügung und hatte trug somit
maßgeblich zur Verwirklichung bei.
Am 18. August 2006 war es so weit:
Gleich drei Bäume wurden gesichtet und konnten geborgen werden. Mit schwerem Gerät wurden
die vorbereiteten Grabungsarbeiten durchgeführt, mit viel
Fingerspitzengefühl durch den Baggerfahrer wurde der Baumriese mitsamt seinem Wurzelbereich
freigelegt und von seiner tonigen Ummantelung befreit.
Stück um Stück – die Bäume waren
bereits vor Millionen Jahren im Zuge der Verfestigung des umgebenden Tonmaterials
abgeschert worden – wurden die einzelnen Baumteile mit Seilen und Gurten geborgen.
Danach erfolgte die zeitaufwendige Säuberung, denn die Tonhülle musste zur
Gänze entfernt werden. Neben Geologenhammer, Spateln und Bürsten half vor allem
ein Druckreiniger mit hohem Wasserdruck beim Säubern. Die Baumstücke mussten
nach der Freilegung permanent feucht gehalten werden, um ein Trocknen und damit
verbundenes Zerreißen zu verhindern.
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Das sichtlich glückliche Bergungsteam in der Tongrube Mataschen, 2006, Foto: UMJ |
Die Konservierung
Nach der Reinigung erfolgte der Lkw-Transport
von Kapfenstein nach Söchau, wo in einem Lagerraum, den der Paläontologe des Universalmuseums
Joanneum, Martin Groß, zur Verfügung gestellt hatte, bereits ein stabiles, wasserdichtes
Becken (310 cm x 200 cm x 140 cm) vorbereitet war. Das Einlegen der Baumteile
in dieses Becken wurde von einem Traktor mit Vorderlader unterstützt und war
aufgrund der Baum- und Raumgrößen Maßarbeit.
Die Füllung des Beckens mit einer 25-prozentigen
Lösung von PEG 200 wurde durch die Freiwillige Feuerwehr Söchau mit einem Tanklöschfahrzeug
unterstützt. Nach zwei Jahren wurde der Baum in einer 50-prozentigen Lösung PEG
3350 für weitere zwei Jahre eingelegt. Der gesamte Prozess dauerte vier Jahre.
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| Im Konservierungsprozess stehendes Baumstück in der früheren naturkundlichen Schausammlung, 2006, Foto: UMJ |
Ab September 2006 bekamen
Besucherinnen und Besucher anlässlich der Sonderausstellung Die Urwelt – Fossile Reste und ihre gemalteInterpretation im Naturkundemuseum einen im Konservierungsprozess stehenden,
1,7 m langen Baumteil zu sehen. Danach wurde das Objekt, das in einem Plexiglasrohr mit 45 cm Durchmesser
aufbewahrt wurde, in der früheren naturkundlichen Schausammlung in der
Raubergasse ausgestellt.
Seit der Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Naturkundemuseum am 15. März 2013 ist der knapp 5 m hohe Baumstrunk der Wasserfichte nun erstmals in seiner ganzen Pracht zu sehen. Ein kleineres Exemplar ist seit 2011 im Museum Geo-Info Kapfenstein ausgestellt.




















































